36m Explorer Yacht

Design

Entdecken Sie die Gründe, warum Lola entstanden ist und die Designvorgaben des Eigentümers.

Vorgeschichte

Nach meiner Zeit als aktiver Starboot Segler habe ich 10 Jahre lang eine 23 m Royal Huisman Segelyacht besessen. Mit der haben meine Frau und ich von Palma aus alle schönen Buchten und Häfen der Balearen erkundet. Dabei hatten wir viel Freude am Segeln und konnten auch den Komfort an Bord genießen.

Mit dem Alter hat die Motivation am sportlichen segeln nachgelassen und wir wollten mehr Raum und Komfort mit fester Crew genießen.

Warum nicht wieder Segelboot

Der erste Gedanke war natürlich ein größeres Segelboot 30-35 m lang, mit Platz für Crew und 6-8 Gäste, modernes Rig mit „lifting keel“ und kaptive Winschen. Pläne dafür habe ich mit 2 Designern besprochen und General Layout Angebote eingeholt.

Aber wir haben gesehen, dass man immer sehr eng mit der Crew zusammen leben muss, da in der Größe ja nur ein Deck verfügbar ist. Und man lebt in den meisten Räumen, mit mehr oder weniger großen Bull Eyes wie „im Keller“.


Außerdem hat uns früher der Wind oft einen Strich durch die Rechnung gemacht, entweder zu viel, zu wenig oder aus der falschen Richtung, sodass wir unser Ziel aufgeben mussten. Da kam dann Frust und „Dicke Luft“ an Bord auf. Auch Flaute auf halbem Weg hat uns oft gezwungen, die Maschine zu nutzen. Aber wir hatten ja ein Segelboot. Trotz aller Bemühungen haben wir am Ende maximal 50 % der Strecke segeln können. Auf vielen Segelyachten wird oft unter 20 % der Fahrzeit gesegelt.

Sonnenschutz darf man nicht unterschätzen, den ganzen Tag in der prallen Sonne hält kein Mensch aus. Die Bemühungen mit Bimini Konstruktionen auf Seglern sehen oft unmöglich aus und bieten dem Steuermann wenig bis keinen Schutz.


Warum dann nicht gleich ein Motorschiff?




Entscheidung Gründe für ein Motorschiff

Ein Design mit mehreren Decks bietet fast den dreifachen Wohnraum bei gleicher Länge wie ein Segler. Das macht die Trennung von Maschinenraum und Crew von Eigner und Gästen deutlich einfacher.

Die Betriebs-Kosten für Diesel werden zum großen Teil durch Wegfall der neuen Segel, die alle 2-3 Jahre anfallen, kompensiert.

Das Leben spielt sich auf dem Hauptdeck und darüber ab, immer mit Aussicht auf die gesamte Umgebung, wenn man will windgeschützt im Schatten, oder in der Sonne.

Die feste Reling mit angemessener Höhe bietet Schutz bei jedem Wetter, auch für Hunde und Kinder. (Wir haben unseren Hund immer angeleint beim Segeln).

Kochen und Essen unterwegs wird viel angenehmer, da Motoryachten auch Dank Stablizern fast immer aufrecht fahren.

Auch Rollen in einer Bucht mit Schwell ist deutlich weniger (auch ohne Stabilizer), da das Drehmoment mit tiefem Ballast Kiel und langem Mast auf Seglern höher ist.

Badeplattform Konstruktionen auf Seglern sind immer sehr aufwändig, ein Motorboot mit senkrechtem Spiegel hat es da viel einfacher.

Der Tiefgang beim Motorboot ist von Natur aus deutlich geringer als beim Segler. Das ermöglicht es, flachere Häfen und Buchten anzulaufen.

Die Crew muss mindestens 3 erfahrene Segler haben, um ein 30m+ Schiff auch mit Spinnacker beherrschen zu können.

Bau Plan

Ende 2006 begann ich meine Vorstellungen für eine Motor Yacht zu Papier zu bringen. Im Prinzip ist am Ende alles so gebaut worden.

Mit den Plänen sind wir zu einigen Yacht Bau Architekten in Holland gefahren und haben um Angebote gebeten. Peter und Perry van Oossanen haben am besten verstanden, wie das Schiff aussehen und was es können sollte. Nach einigen Besprechungen und Korrekturen ist der erste Entwurf entstanden, der dann als Basis für den Planung-Auftrag und die endgültigen Pläne verwendet wurde.

Design Vorgaben

Vorgaben für die Planung sind wichtig, damit der Architekt versteht, was ich mir bei den Details gedacht habe und warum das so von mir gefordert wurde.

Lesen Sie hier meine Grundregeln.

Stabilität Schwerpunkt

Rumpf aus Stahl und Aufbauten aus Komposit bringen den Schwerpunkt schon mal ordentlich nach unten.

Eine Rollrate von 7-9 Sekunden ist für die meisten Menschen sehr angenehm. Ein maximaler Krängungswinkel >60°, bei dem das Schiff sich wieder aufrichtet, ist für ein Motorschiff ein guter Wert. Lola erreicht das locker. Wenn die Aufbauten und Fenster hinzugerechnet werden (solange sie nicht zerbrechen, siehe Sicherheit) erreichen wir sogar >80°.

Stabilizer sollen auch im Hafen und vor Anker für das Rollen minimieren.

Sicherheit

Die Reling soll mindestens 1 m hoch sein, damit man sicher an Deck laufen kann, auch bei Seegang. Alle Außentüren müssen Druckwasser dicht sein. Alle Fenster müssen mindestens 5 t/qm Seewasser Druck aushalten. Die Aufbauten müssen entsprechend stabil ausgeführt sein.

Wasserdichte Abteilungen

Lola hat im Lower Deck 5 wasserdichte Abteilungen. Jede Abteilung hat mindestens 2 Ausgänge. Man kann im Schiff alle Abteilungen erreichen (ohne an Deck zu müssen). Die Crew hat einen eigenen Ausgang an Deck. Vom Lazarette ist auch ein eigener Ausgang an Deck. Das zentrale Treppenhaus führt von den Gästekabinen bis zum Sonnendeck.

Performance

Der Rumpf soll einen Kiel für besseren geradeaus Lauf und einen Bulb haben (Hull Vane gabs noch nicht, die habe ich 2016 angebaut). Die Unterwasser Linien sollten auf 12 kn optimiert werden, was ja das spezial Gebiet von van Ooossanen ist. Bow und Stern Truster für optimale manövrier Fähigkeit. Getrennte Ruder mit Einzelsteuerung, die schnellere Reaktion ermöglichen, da man die Ruder beim Manöver auf 35° stehen lassen kann. (Rückwärts hat das Ruder bei langsamer Fahrt so gut wie keine Wirkung). Eine große Schraube für niedrige Drehzahl und wenig Vibrationen. Stabielizer sollen exakt in Stromlinien ausgerichtet an einer Position mit optimalem Wirkungsgrad angebracht werden.

Umlaufende Gangbords auf jedem Deck

Um schnell von achtern nach vorne zu kommen, ohne enge Treppen zu überwinden und mit der Möglichkeit, ein Dinghi oder eine Mooring Leine mitzunehmen, sind die Gangborde zur Seeseite hin offen, ohne Hindernisse. Alle Fenster und die Wände können von den Seitengängen einfach gereinigt werden. (das passiert alle 1-2 Wochen). Häufig zu sehende Aufbauten über die ganze Schiffbreite verhindern das.

Die fast 1 m breiten Decken über den Gangborden liefern gleichzeitig Schatten für die Fenster. Ab frühem Vormittag kommt keine Sonne mehr ins Schiff. Das gilt auch für die Brücke.

Keine Tender an Deck

Die Decks sollen frei von Gegenständen sein, die bei Seegang vom Seewasser durchnässt und im Extremfall weggespült werden können. Tender auf dem Oberdeck bringen den Schwerpunkt gravierend nach oben, was für ein stabiles Schiff nicht geht. Dafür ist die Klappe auf dem Vordeck, wo ein Tender und eine Laser (oder ähnliches) verstaut werden kann. Der Kran für den Tender ist auch unter Deck. Der zweite Tender ist im Heck untergebracht.

keine beweglichen Teile unter Deck

Tische und Bänke sollen als Sitzgelegenheiten fest angeschraubt sein, damit bei Seegang nicht verrutschen kann. Ausnahme Stühle an den Schreibtischen, die aber seefest gemacht werden können. Alle Türen und Schubladen können seefest verschlossen werden.

Moorings

Für bequeme und sichere Bedienung sind alle 10 Poller Paare auf Pollerbänken montiert. Die Klüsen sind mir dicken Rollen versehen, um scheuern und knicken der Leinen zu verhindern.

Anker

Anker und Kette sollen eine Nummer größer sein als für die Schiffsgröße vorgeschrieben. Für die Ketten sollen Stegketten verwendet werden. Ein Stern Anker soll zusätzlich angebracht werden, für Notfälle im Hafen oder beim Ankern in Buchten nützlich.

Schornstein

Für die Be- und Entlüftung des Maschinenraums und der Tanks soll der Schornstein verwendet werden, dann hat man keine Geräusche an Deck. Zusätzlich hat der Niedergang vom Sonnendeck im Schornstein Platz.

Bade Plattform

Zum Anlegen mit dem Dinghi und zum Schwimmen ist die Platform am Heck. Die Schwimmleiter ist als klappbare Treppe ausgeführt, über die Hunde selbständig wieder an Bord können. Auch ein „Mann über Bord“ Manöver kann mit der fixen Plattform einfach ausgeführt werden.

Ausrüstung

Alle wichtigen Aggregate und Geräte sollen mindestens doppelt vorhanden sein. Aggregate und Pumpen müssen von allen Seiten zugänglich sein, für einfache Wartung. Die Maschinen müssen im Notfall einfach ausgebaut werden können. (Wir haben eine verschraubte Platte im achteren Schott, die frei von allen Leitungen ist. Maschine kann dann durch die Tender Tür herausgeholt werden. So ist sie auch hereingekommen)
Die Crew hat eine eigene Küche, die als Notfall Küche dient, wenn in der Kombüse irgendetwas ausfällt.

Isolierung und Schall

Der ganze Rumpf und Aufbau ist als Erstes mit etwa 80 mm Rockwool 130 isoliert. Der Maschinenraum ist mit zusätzlicher Aluminium Bondol Schallisolierung versehen. Die gesamte Einrichtung ist über „Floating Design“ Schall- und vibrationshämmend eingebaut.

Rhino

Alle Entwurfszeichnungen wurden von van Oossanen mit Rhino, dem gängigsten CAD Programm für Yachtbau Architekten, gefertigt.

Nachdem ich Rhino gelernt habe, war die Kommunikation mit Perry Oossanen leichter, wir konnten Zeichnungen austauschen. Sehen Sie, wie Lola als Rendering nach etwa zwei Jahren aussieht. Die in 2026 von van Oossanen gelieferte Hull Vane ist auch abgebildet.

Die Deck Pläne sind ebenfalls aus der freigegeben Rhino Zeichnung entstanden.

Plan Änderungen

Oberste Priorität für das Budget hat die vollständige Planung. Es dürfen während der Bauphase keine gravierenden Änderungen mehr vorgenommen werden. Das wirft dann oft andere Planungen durcheinander und es passt alles Mögliche nicht mehr, woran man gar nicht gedacht hat. Die Folge ist Bauzeit, Verlängerung und deutliche Erhöhung der Baukosten. (Die Werften langen da gerne gut zu). Daher habe ich mir für die Planung 3 Jahre Zeit gelassen, bis der Bau Ende 2009 in Auftrag gegeben wurde.

Und das ist das Ergebnis